Heini Moser hat ursprünglich das Tischler-Handwerk erlernt. Unmittelbar nach der Gesellenprüfung hat er die zweijährige Waldaufseher-Schule besucht und ist in seinen heutigen Job gewechselt. Der macht ihm Freude wie am ersten Tag. Auch sein Motto ist ihm ein ständiger Begleiter: „Man muss die Arbeit sehen und sie auch tun.“ Und davon gibt es in der flächenmäßig größten Gemeinde des Bezirks Schwaz mehr als genug. Das beginnt bei der ureigensten Aufgabe des Waldaufsehers, der Pflege des Waldes, die Heini Moser in enger Abstimmung mit seinem Vorgesetzten von der Forstinspektion und mit dem Förster vornimmt. Wobei er nicht persönlich die Motorsage ansetzt, sondern sich als Manager sieht, als Vermittler zwischen den Waldbesitzern und den verschiedenen Dienstleistern: „Die meisten Privatwaldbesitzer haben heute mit dem Wald nur mehr sehr wenig zu tun, sind sehr weit entfernt von der Materie.“ Also schlägern sie ihre Bäume nicht mehr selber, sondern rufen den Waldaufseher an. Der setzt das Getriebe in Gang: „Ich organisiere den Holzknecht, die Abfuhr der Baumstämme, den Verkauf, kümmere mich um die Sperrgebiete.“ Oder es muss ein Wald, in dem die Bäume zu eng stehen, durchforstet werden. Dabei werden mit gelben Bändern jene Stämme markiert, die stehenbleiben dürfen. Der Rest muss raus.
Klimafitter Wald
Wo Bäume gefallt werden, muss in der Regel auch für Nachwuchs gesorgt werden. Werden nur kleinräumige Flachen geschlägert, erfolgt das meist über eine sogenannte Naturverjüngung, erklärt der Waldaufseher. Dabei schaut man, was an Baumen durch natürliche Samen aufgeht. Bei größeren Flächen muss allerdings der Mensch nachhelfen. In starken Jahren wurden so bis zu 10.000 Pflanzen gesetzt. Das Stichwort dabei ist der „klimafitte Wald“, also einer, der mit der Klimaerwarmung besser zurechtkommt als die bisherigen Fichten-Monokulturen. Das ist in der Regel ein Mischwald aus Laub- und Nadelbaumen. Im Zusammenhang mit dem Klimawandel ist auch ein anderes Problem virulent geworden: Der Befall der Bäume durch den Borkenkäfer. Sie nisten sich gerne im Schadholz ein und vermehren sich dann rasant. Daher muss Heini Moser Borkenkäferfallen aufstellen und die Entwicklung beobachten. Das beste Rezept gegen den Schädling: „Immer einen aufgeräumten Wald haben. Wir sind da fest dahinter und haben momentan keine Probleme.“ Das liegt auch daran, dass das Gemeindegebiet in den letzten Jahren von großen Schadensfallen wie Windwurf oder Schneebruch verschont geblieben ist. Denn große Flächen aufzuarbeiten, das dauert oft Jahre. Außerdem muss der Waldaufseher auf diverse Baumkrankheiten achten.
Doch es gibt auch Aufgaben für Heini Moser, die auf den ersten Blick gar nicht so sehr ins Bild eines Waldaufsehers passen. So ist er etwa zuständig für die Kontrolle der Bache und der dortigen Sperren: „Die muss ich kontrollieren, denn die werden zwar von der Wildbach- und Lawinenverbauung errichtet, gehören dann aber der Gemeinde. Und die ist für die Wartung zuständig.“ Liegen in einer Sperre Bäume oder zu viel Schotter, dann muss Moser die Räumung veranlassen. Gerinne müssen freigeschnitten, in einen Bach abgerutschte Wegstücke saniert werden.
Darum führt Mosers erster Weg nach einem Unwetter stets zu den Bächen. Sein Ehrgeiz ist es, nicht erst von anderen von einem Schadensfall zu erfahren: „Da muss ich schon der Erste sein.“
Etwas, das Heini Moser ganz besonders gerne macht, ist der Unterricht an den Schulen: „Da gehe ich mit den Kindern raus und kann ihnen vor Ort die Thematik Wald und Wild erklären. Die sind ein sehr dankbares Publikum.“ Auch Nistkasten für die Vogel hangt er mit den Volksschülern auf.
Im Winter übernimmt Heini Moser noch eine besondere Aufgabe, die nicht jedem Waldaufseher automatisch zufällt: Er ist Vorsitzender der Lawinenkommission der Gemeinde Eben. Sie beurteilt die Lawinengefahr für die Infrastruktur des Ortes und empfiehlt, wenn es notwendig ist, dem Bürgermeister zum Beispiel Straßensperren. Und in der kalten Jahreszeit bleibt auch noch Zeit für den Papierkram, der zwar sein muss, allerdings nicht unbedingt zu Heini Mosers Lieblingstätigkeiten zählt: „Im Wald bin ich heute leider nur mehr die halbe Zeit.“ In den nächsten zwei Jahren drückt Mosers Nachfolger bereits die Waldaufseher-Schulbank. Am 1. April 2028 – so der Plan – wird Heini Moser nach 44 Dienstjahren in Pension gehen. Bereut hat er die Berufswahl, die er als junger Mann getroffen hat, bis heute nicht: „Es ist ein sehr lässiger Beruf, in dem man relativ viel bewirken kann. Es war eine absolut schöne Zeit.“
Wissenswertes
Eben am Achensee ist mit 196,56 Quadratkilometern flächenmäßig die größte Gemeinde des Bezirks Schwaz und besteht aus den Ortschaften Maurach und Pertisau, dem Bächental und der orographisch (in Flussrichtung des Baches) rechten Seite der Hinterriß. Über 57 Prozent der Fläche bestehen aus Wald. Kein Wunder also, dass Waldaufseher Heini Moser viel zu tun hat.